Regen

05. Dez, 2008 by Jonathan

Nichts als Regen.

Wanderweg

29. Nov, 2008 by Jonathan

Drei Fotos

27. Nov, 2008 by Jonathan

Der Sonnenaufgang vor meinem 37 km langen Marsch von Riggisberg nach Freiburg.
Außerdem das erste Schild mit einer Längenangabe nach Santiago, allerdings kann ich nicht glauben, dass ich schon 1000 km gelaufen bin.
Zuletzt: Das Pferd. Schön.

Freiburg ist auch schön. So schön, dass ich immernoch da bin: Ich sitze seit Stunden in einem italienischen Lokal und genieße den semi-französische Flair.

Zitat der Reise

27. Nov, 2008 by Jonathan

“Du bist der erste Pilger den ich ernst nehmen kann.”
Sagte mir eine sehr nette Frau am Sonntag, deren Name ich leider vergessen habe (sorry!).

Eindrücke

23. Nov, 2008 by Jonathan

Ich will gerade laufen und nicht schreiben, aber hier ein paar Fotos:
Grüße an meinen Pulli (1) Timberland, drei Bilder vom Stanserhorn (2,3) inklusive den australischen Touristen, die zum ersten Mal Schnee sehen (4), dann ein Fotoshooting für ein Buch über Einsiedeln, in dem ich auch erwähnt werde (5) und die Mörderbrücke von gestern, die bei jedem Schritt geknackst hat und 100 Meter über einem Abgrund hing (6).
Jetzt in Interlaken im Hostel, es geht heute weiter nach Thun.
Frohen Sonntag!

Sex und der Jakobsweg

20. Nov, 2008 by Jonathan

Sex spielt für mich als Pilger eine erstaunlich große Rolle. Nicht weil ich soviel davon hätte, sondern gerade weil Sex nicht vorkommt, steht er stellvertretend für andere nicht gestillte Bedürfnisse. Ich bin mir zwar bewußt, das Sex hier nur kurzfristige Befriedigung bringen kann, jedoch mein Körper und mein Es sind da anders konditioniert.

Boys and men showing off

Dürfen Männer weich sein?

Die Konditionierung resultiert vor allem aus der praktischen Tatsache, dass Sex ein Weg ist an Liebe und Wärme zu kommen. Noch dazu einer, der dem archetypischen (und anachronistischen!) Bild eines Mannes entspricht. Denn hier kann Mann Wärme und Liebe bekommen und trotzdem männlich, dominant und all das sein, was angeblich Mann-sein ausmacht.

Männer kuscheln nicht einfach so. Dann wären sie nämlich weich, weibisch, schwul oder kindisch. Männer reissen Frauen auf. Dann sind sie cool, stark und unwiderstehlich.

Und das ist das Problem: durch dieses veraltete Rollenbild habe ich mich wohl so konditioniert, dass mein Körper denkt: “hier kriege ich schnell und (meist) unkompliziert eine kleine Portion Liebe, garniert mit Bestätigung und als Nachtisch einen Orgasmus.” So denke ich an Sex wenn ich im Wald die Liebe zur Natur spüre. Ich denke an Sex wenn ich einsam bin. Und ich denke an Sex wenn ich unausgelastet bin.

Zurück zum Jakobsweg

Der Jakobsweg ist einsam. Jeder Fernwanderweg ist einsam. Denn man ist jeden Tag woanders und hat nie die Zeit die Menschen intensiver kennen zu lernen. Ich sehne mich nach körperlichen und geistigen Nähe. So telefoniere/chatte/emaile ich täglich nach Hause. Für das Bedürfnis nach Körperlichkeit gibt es allerdings keine virtuelle Lösung. Auch kenne ich meine GastgeberInnen zu kurz (um 18 Uhr ankommen, bis 24 Uhr Backgamon spielen), als dass Körperlichkeiten in der Luft läge.

Stärke und ihre Schwächen

Durch das wochenlange Laufen eines 20-Jährigen. Eines Jugendlichen/Mannes der sich in seinem besten Alter befindet, kommt dessen Körper zu ungewohnter Stärke. Ich bin also in den letzten Wochen zu einer für mich ungewöhnlichen Kondition gekommen. Das bewirkt, dass ich morgens um 7 loslaufen kann und um halb zwölf bereits 17 km und 600 Höhenmeter hinter mir habe. Außerdem abends viel weniger am Ende bin als noch am Anfang.
Gleichzeitig bewirkt diese Kondition, dass ich eine große Menge an Energie zur Verfügung habe, die nicht genutzt wird wenn ich nur wenig laufe oder Pause mache.
In dieser Situation reagiert mein starker, sich nach Nähe sehnender, unausgelasteter Körper mit Geilheit. Sex wäre nach einem Tag mit wenig körperlicher Anstrengung und noch weniger Erfolgserlebnissen eine Möglichkeit den Körper zu befriedigen. Er wäre danach ausgelastet, der Stolz wäre Befriedigt, hätte Nähe bekommen und würde so eine selige Befriedigung erzeugen.

Doch kann ich nicht die Energie umleiten oder aufsparen für einen neuen Tag und mit mir zufrieden sein? Einfach so?

Erkenntnis

17. Nov, 2008 by Jonathan

Heute morgen laß ich ungefähr folgendes von Pater Kolumban:
“Religiöse Traditionen dienen dazu die Einheit der Gemeinschaft in sich und mit Gott zu stärken.”
Dieses Zitat hat mich lange beschäftigt: Die Folge dieser These ist, dass wenn ich mit einer Tradition (Kopftuch, Kruzefix, Beschneidung …) breche oder gegen sie etwas sage, dann vermittle ich den Anhängern der Tradition viel mehr als eine Abneigung der Tradition selbst, denn es vermittelt, dass ich einen DER Faktoren, der die Gemeinschaft subjektiv ausmacht, dieser abspreche. Damit vermittle ich eine Ablehnung gegenüber einer Gruppe Menschen.
Aus diesem Grund haben sich längst veraltete Traditionen gehalten. Kein Theologe würde heute einen Menschen, der das Vaterunser nicht kann, als ungläubig bezeichnen, wenn er sonst an Gott glaubt. Aber es gehört nun mal dazu. Obwohl eigene Gebete sicher viel mehr mit dem Glauben anstellen als runtergeleiherte.
Aus der Sicht eines religiösen Oberhaupts: was kann ich tun um die Glaubenseinrichtung (zb Kirche) zu modernisieren, aber gleichzeitig die Menschen, die ihr ganzes Leben lang ihren Glauben durch veraltete Traditionen nähren, nicht vor den Kopf stoßen?

Nebel

17. Nov, 2008 by Jonathan

Dieses Foto bildet nicht nur die heutige Wettersituation ab, es symbolisiert auch meinen Blick, der sich eingeschlichen hat seit Beginn meiner Reise:
Ich schaue nur auf Schilder, ich plane (fast) nur den neuen Tag, alles andere liegt im Nebel.
Diese Art zu leben bringt Entspannung und macht mich glücklich. Wobei Sonne und Wärme auch mal wieder schön wären.

Einen Tag länger

17. Nov, 2008 by Jonathan

Ich bin noch einen Tag länger im Kloster geblieben. Ziemt sich ja auch Sonntags.
NZZ am Sonntag gekauft und Goethe gelesen. Schön. Aber nicht so auslastend wie laufen.

Von wilder Freude erfasst …

16. Nov, 2008 by Jonathan

… nachdem ich einen Tag Pause gemacht habe und mich im Haus zur Laterne (laterne.menschlichkeit.ch) ausgeruht habe, ziehe ich los. Es ist acht Uhr morgens und nebelig. Ich summe vor mich hin: ,,Im Frühtau zu Berge wir gehen fallera” weiter weiß ich nicht.
Auf meinem Rücken sind über 17 kg und vor mir liegen 600 Höhenmeter. Zum Glück duftet das Graß und die Bäume sind so schön bunt, da läuft es sich besser.
Dann noch ein Anruf aus Deutschland, dazu Bierchermüsli, jetzt aber los!
Die frische Luft durchströmt mich und ich weiß: ich bin wieder auf dem Weg.
Die Stunden vergehen wie im Flug, bald ist es zwei Uhr nachmittags und bald hab ich den Etzelpass erreicht.
Oben steht, mitten in der Sonne und auf das tollste Alpenpanorama seit Beginn meiner Reise blickend, eine Kapelle. Zwei Opferkerzen, eine für die Familie, eine für all die Lieben, die mich sonst noch unterstützen, und raus in die Sonne.
Mit nach draußen gehen drei Schweizerinnen, mit denen ich schon vorher ins Gespräch gekommen bin. Sie stecken mir 21 Franken zu und wünschen mir eine gute Reise. Glückstag.
2 Stunden später erreiche ich das Kloster Einsiedeln. Ich bekomme Abendessen und werde zum Nachtgebet eingeladen. Abendessen: vegitarisch und lecker, yes! Nachtgebet:
Wow! 80 Brüder stehen hinten in der Kirche. Sie beten und singen. Großartig!
Leider war ich zu müde die ganze Komplet zu bleiben.
Um Acht ins Bett um Acht wieder wach. Auf geht’s zum nächsten Paß, heute: 500 Höhenmeter auf 1400 Meter rauf und wieder 1000 Meter runter.
Frohen Sonntag!